| Kritiken |
KRITIKEN
PROJEKTE
DVD
|
Die weiße Dame Oper von François Adrien Boieldieu (1775-1834) Musikalische Leitung Gernot Schulz
Inszenierung Axel Köhler Ausstattung Henrike Bromber PREMIERE am 25. Juli 2008 Kammeroper Schloss Rheinsberg
Lust an handwerklicher Perfektion Die Entscheidung der Kammeroper Schloss Rheinsberg, Boieldieus Stück auszugraben, musste auf den ersten Blick als Zumutung für die jungen Gesangstalente erscheinen, die zu fördern man sich doch auf die Fahnen geschrieben hat. Dass nicht nur die Sängerdarsteller, sondern auch die Oper selbst unbeschädigt aus diesem Experiment hervorgingen, ist dem Regisseur Axel Köhler zu verdanken. Er erkannte, dass der Reiz eines elegant gebauten Stückes wie der eines guten Comics weniger mit der Handlung als mit der Lust am handwerklich perfekten Durchprobieren fantasieanregender Versatzstücke zu tun hat. Dem Drang des Stückes zum Slapstick setzt Köhler keinen Widerstand entgegen und vermeidet doch alles Chargieren. Das Timing der Bewegungen folgt dem Fluss der Musik und die Figuren wirken gerade deshalb komisch, weil sie jeden Augenblick mit Hingabe an die dramatische Mission glauben, der sie ihre Existenz verdanken. Der Tagesspiegel 28. Juli 2008
|
- Einerseits hält das Stück für junge Solisten eine Fülle von attraktiven Aufgaben bereit, andererseits müssen sie sich dabei nicht an einer Galerie von übergroßen Vorbildern messen lassen. Und wenn ihnen dann auch noch ein Regisseur zur Seite steht, der echte Bedürfnisse und falsche Ansprüche der Sängerzunft aus eigener Erfahrung zu unterscheiden weiß, steht einem Sommer-Spaß nichts mehr im Wege.
Axel Köhler ist solch ein Lehrer mit dem Herzen eines Komödianten: Um die Sorgfalt im musikalischen Detail zu würdigen, muss man auf die Artikulation der jungen Solisten aus Indien und Griechenland, Schweden und Italien, Frankreich und Portugal achten. Sein Vergnügen an der musikhistorischen Rettungstat ohne Rücksicht auf Verluste aber sieht man allerorten.
Mitteldeutsche Zeitung 28. Juli 2008
Kurzweiliger Abend Um die 1825 uraufgeführte opèra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen. Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur doppelt begabte Köhler die langatmigen Dialoge durch eine Kunstfigur … Zudem wird alles, was Boieldieu musikalisch arg dünn geraten ist oder was er vor allem in den Ensembles allzu breit getreten hat, mutig eliminiert. Heraus kommt ein höchst kurzweiliger, in Eindreiviertelstunden pausenlos durchgespielter Abend im Schlosstheater. Opernwelt 09/2008
Fotos
| |