Interviews        Altus und Regisseur Axel Köhler
 
 Aus: Potsdamer Neueste Nachrichten 01. November 2003
 
 
Kann man sich so einfach an den Regietisch setzen und die Federführung für eine ganze Operninszenierung übernehmen? 
Ich kannte die „Krönung der Poppea” sehr gut, sang bereits in mehreren Inszenierungen. Und immer wieder habe ich darüber nachgedacht, nicht nur bei der Monteverdi-Oper, wie würdest du dieses Stück inszenieren.
 
Ihre Deutung hatte einen großen Erfolg bei Publikum und Kritik. Dann inszenierten Sie wieder in Halle... 
Ja, 2001 die Händel-Oper „Rodrigo”, in diesem Jahr „Barocco spettacolo" nach „Alcina" von Johann Joseph Fux und nochmals Händel: „Teseo” für Bad Lauchstädt mit dem das Ensemble nach Herrenhausen, Bayreuth und Winterthur reiste. „Teseo” ist eine relativ frühe Oper des Meisters. Sie wurde 1713 in London uraufgeführt. Sie ist trotz ihrer fünf Akte erstaunlich kurz und prägnant, sie wird sehr dicht erzählt.
 
Von der Zauberin Medea, von König Egeo - Gestalten der griechischen Mythologie, die man immer wieder in Barockopern und auch in späteren findet - sowie von Teseo, um den sich die Frauen „schlagen”, erzählt die Geschichte. 
Händel und sein Librettist Nicolas Haym berichten in erster Linie nicht von den Heldentaten des Teseo, sondern von Liebe, Neid, Eifersucht, Hass und Rache. Doch es gibt einen versöhnlichen Schluss: Minerva, die Göttin des Krieges und des Friedens, lässt keine Disharmonie zu.
 
Drei Countertenöre hat der Komponist für diese Oper vorgesehen. 
Zu Händels Zeiten war dies ganz aktuell. Heute sind Countertenöre keine Exoten mehr. Selbst Stadttheater verpflichten diese Stimmen für Aufführungen von Barockopern.
Glücklicherweise greift das Repertoire der Countertenöre über die Barockmusik hinaus. Mozart, Beethoven, Mendelssohn, natürlich auch „Die Fledermaus” von Johann Strauß findet man in Ihrem Repertoire und in dem Ihrer Kollegen.
Vor allem haben viele zeitgenösssische Komponisten für den Altus geschrieben. Ich selbst habe in Opern von Benjamin Britten („Ein Sommernachtstraum”), Detlev Granert („Scherz, Satire und tiefere Bedeutung”), Siegfried Matthus („Farinelli” und jetzt im Sommer bei den Salzburger Festspielen in „L'Upupa” von Hans-Werner Henze mitgewirkt. Als nächste Premiere eines Klassikers des 20. Jahrhunderts steht am Opernhaus Halle Igor Strawinskys „The Rake's Progress” bevor.
 
Ihre Pläne als Sänger sind weitreichend. 
Bis zum Jahre 2007 liegen viele Verpflichtungen vor. Doch an das Regiepult möchte ich ebenfalls immer wieder zurückkehren. Zunächst für eine Inszenierung pro Spielzeit. Im kommenden Jahr führe ich bei Brittens „Sommernachtstraum” an der Münchener Theaterakademie Regie.

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