Interviews        Altus und Regisseur Axel Köhler
 
Aus: orpheus 6/01
 
Auf neuen Wegen
 
In der Bilanz der Zeitschrift OPERNWELT zur Saison 1999/2000 erschien in der Sparte „Junge Nachwuchsregisseure” auch der Name Axel Köhlers, dessen Inszenierung vom Monteverdis „Krönung der Poppea” am Opernhaus Halle für Aufsehen gesorgt hatte. Auf Anhieb war dem Sänger mit seiner frischen Lesart des Werkes, einer tempo- und einfallsreichen Umsetzung der turbulenten Handlung, ein glänzendes Regie-Debüt geglückt.
 
Auf welche Weise nähern Sie sich einem Stück - lesen Sie zuerst das Libretto und Sekundärliteratur oder studieren Sie als erstes die Partitur? Hören Sie sich Ton-Dokumente der betreffenden Oper an?
 
Bei „Rodrigo” habe ich zuerst eine Übersetzung des Textes gelesen, dann in die Noten geschaut und schließlich eine CD gehört. Freilich sollte man auch ohne diese auskommen und sich die verschiedenen Affekte der Musik allein aus dem Notenbild erschließen können. Wenn ich den Auszug sehe, ist es mir möglich, das musikalische Psychogramm des Komponisten zu erfassen. Daraus bildet sich die Figurenkonstellation - wie sehen die einzelnen Personen und ihre Charaktere aus, wie läuft die Geschichte ab? Und mag das Libretto auch noch so absurd erscheinen - grundsätzlich hat jede Handlung zunächst das Recht, wirklich erzählt zu werden und nicht eine vom Regisseur erdachte Geschichte aufgepropft zu bekommen.
 
Nach einer Woche der täglichen Beschäftigung mit „Rodrigo” ging vor meinen Augen ein Fenster auf, und in zwei Tagen habe ich die Konzeption - einschließlich der Bühnenbilder, Requisiten und Szenenwechsel - niedergeschrieben und mich dann für die Inszenierung beworben.
Vor der CD habe ich mich nicht so sehr beeindrucken lassen, denn die Aufnahme von Alan Curtis zielt eher auf musikalische Perfektion denn auf bühnenwirksame Dramatik.So habe ich sie sehr bald zur Seite gelegt. Meine Partien lerne ich im übrigen auch nicht durch das Hören von CDs, sondern versuche, einen ganz eigenen, unbeeindruckten Zugang zu den Figuren zu finden.
Ich empfinde ein Glücksgefühl für meine berufliche Situation, singen zu können und auch Regie zu führen, denn diese beiden Prozesse ergänzen sich wunderbar, und man lernt sehr viel vom einem für das andere.
 
 
Proben zu „Rodrigo” am Opernhaus Halle
 

Startseite      Porträt      Interviews      Kontakt      Altus      Regisseur