Interviews        Altus und Regisseur Axel Köhler
 
Händel-Hausmitteilungen 2/2001
 
 
Welche Erfahrungen können Sie als Sänger in die Regiearbeit einbringen?
Das Wichtigste ist, daß man gesanglich inszeniert. Die Musik ist für mich oberstes Gebot. Die guten Inszenierungen, die ich gesehen oder mitgemacht habe, zeichneten sich prinzipiell dadurch aus, daß man den Gestus der Musik beachtet hat. Gerade bei der Barockmusik ist das wichtig.
 
Haben Sie Regie-Vorbilder?
Das ist bei mir wie beim Singen: ich habe kein direktes Vorbild, habe mich immer solchen Dingen zugewandt, die mir gefallen. Man muß seinen eigenen Stil entwickeln.
Als Sänger habe ich sowohl mit Peter Konwitschny, David Alden, Harry Kupfer, Andreas Baumann gearbeitet. Alles Leute, die mich geprägt haben, jeder auf seine Weise - als besonders guter Handwerker, genialer Denker oder straffer Diktator. Aus diesem Sammelsurium von allerlei Erstrebenswertem bildet sich irgendetwas Eigenes. Das Wesentliche ist doch, daß Energie fließt, die sich auf den Zuschauer übertragen und auf die Bühne zurückkommen muß, um ein Miteinander herzustellen. Das ist mein Ziel.
 
Regisseur einer Händel-Oper - entspricht das Ihrer besonderen Neigung?
Zur Händelschen Musik und mitunter auch zu seiner Persönlichkeit habe ich wirklich eine starke Beziehung. Man kann über ihn lesen, welch herrlichen Humor er gehabt haben muß. Auch fühle ich, daß ich mit seiner Musik umgehen kann. „Rodrigo” kannte ich bislang nicht, mit dieser Oper tat sich wieder eine Welt typischer Händelscher Psychologie auf. Jede Situation birgt gleichermaßen Komik und Tragik… Unterschwellig passiert bei ihm immer das Gegenteil von dem, was obenauf geschieht. Das ist spannend, so daß ich mir nicht vorstellen kann, jemand könne Händel langweilig finden. Die Arbeit mit Händel ist für mich eine schier unerschöpfliche, wunderschöne Angelegenheit.
 
Was halten Sie von historisierenden Aufführungen, was vom Regietheater?
Da möchte ich mich nicht entscheiden müssen. Mit historischen Aufführungen wurde ja schon vieles versucht, Unsinniges wie sehr Anregendes kam dabei heraus. Und Regietheater heißt für mich, daß man über eine Szene die Musik-Aussage transportiert. Das Gegenstück dazu wäre, die Akteure in Kostüme zu stecken, sie auf die Bühne zu stellen und singen zu lassen. Gutes Musiktheater stellt sich für mich aber durch eine wechselseitige Beförderung von Musik und Bühne her. Die extremsten Regiearbeiten im Barocktheater habe ich mit „Giulio Cesare" von Richard Johnson und „Rinaldo” von David Alden in München erlebt und in Halle „Tamerlano" von Peter Konwitschny, was der Regisseur jedoch kommentierte: Händel ist nicht nur schön, er kann auch weh tun.
 
Aus: G. Klatte im Gespräch mit Axel Köhler
 
Finale„Rodrigo” am Opernhaus Halle anläßlich der 50. Händel-Festspiele 2001.
  

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