- Welche Erfahrungen
können Sie als Sänger in die Regiearbeit
einbringen?
- Das Wichtigste ist,
daß man gesanglich inszeniert. Die Musik ist
für mich oberstes Gebot. Die guten
Inszenierungen, die ich gesehen oder mitgemacht
habe, zeichneten sich prinzipiell dadurch aus,
daß man den Gestus der Musik beachtet hat.
Gerade bei der Barockmusik ist das
wichtig.
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- Haben Sie
Regie-Vorbilder?
- Das ist bei mir wie beim
Singen: ich habe kein direktes Vorbild, habe mich
immer solchen Dingen zugewandt, die mir gefallen.
Man muß seinen eigenen Stil
entwickeln.
- Als Sänger habe ich
sowohl mit Peter Konwitschny, David Alden, Harry
Kupfer, Andreas Baumann gearbeitet. Alles Leute,
die mich geprägt haben, jeder auf seine Weise
- als besonders guter Handwerker, genialer Denker
oder straffer Diktator. Aus diesem Sammelsurium von
allerlei Erstrebenswertem bildet sich irgendetwas
Eigenes. Das Wesentliche ist doch, daß
Energie fließt, die sich auf den Zuschauer
übertragen und auf die Bühne
zurückkommen muß, um ein Miteinander
herzustellen. Das ist mein Ziel.
-
- Regisseur einer
Händel-Oper - entspricht das Ihrer besonderen
Neigung?
- Zur Händelschen
Musik und mitunter auch zu seiner
Persönlichkeit habe ich wirklich eine starke
Beziehung. Man kann über ihn lesen, welch
herrlichen Humor er gehabt haben muß. Auch
fühle ich, daß ich mit seiner Musik
umgehen kann. Rodrigo kannte ich
bislang nicht, mit dieser Oper tat sich wieder eine
Welt typischer Händelscher Psychologie auf.
Jede Situation birgt gleichermaßen Komik und
Tragik
Unterschwellig passiert bei ihm immer
das Gegenteil von dem, was obenauf geschieht. Das
ist spannend, so daß ich mir nicht vorstellen
kann, jemand könne Händel langweilig
finden. Die Arbeit mit Händel ist für
mich eine schier unerschöpfliche,
wunderschöne Angelegenheit.
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- Was halten Sie von
historisierenden Aufführungen, was vom
Regietheater?
- Da möchte ich mich
nicht entscheiden müssen. Mit historischen
Aufführungen wurde ja schon vieles versucht,
Unsinniges wie sehr Anregendes kam dabei heraus.
Und Regietheater heißt für mich,
daß man über eine Szene die
Musik-Aussage transportiert. Das Gegenstück
dazu wäre, die Akteure in Kostüme zu
stecken, sie auf die Bühne zu stellen und
singen zu lassen. Gutes Musiktheater stellt sich
für mich aber durch eine wechselseitige
Beförderung von Musik und Bühne her. Die
extremsten Regiearbeiten im Barocktheater habe ich
mit Giulio Cesare" von Richard Johnson und
Rinaldo von David Alden in München
erlebt und in Halle Tamerlano" von Peter
Konwitschny, was der Regisseur jedoch kommentierte:
Händel ist nicht nur schön, er kann auch
weh tun.
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- Aus: G. Klatte im
Gespräch mit Axel Köhler
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- FinaleRodrigo
am Opernhaus Halle anläßlich der 50.
Händel-Festspiele 2001.
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