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Hochzeiten und andere Katastrophen Ein Opern-Pasticcio mit Musik von Samuel Scheidt
und den Hallenser Hofopernkomponisten Philipp Stolle,
David Pohle und Johann Philipp Kriege
Musikalische Leitung Bernhard Prokein
Inszenierung Axel Köhler
Choreographie Ralf Rossa
Ausstattung Petra Ziegenhorn PREMIERE am 06. November 2004
Opernhaus Halle Konzertfoyer
… Deshalb können wir in diesem Jahr 350 Jahre Oper in Halle feiern, und das Opernhaus tut dies auf seine eigene Weise. Einerseits mit einer kleinen Ausstellung, zum anderen aber mit einer Eigenkreation, die der eine Revue, der andere Singspiel und die Macher selbst bloß „Spiel“ nennen. Die Macher, das sind Dramaturg Volker Weiske und Kammersänger Axel Köhler. Wer bei der Premiere von „Hochzeiten und andere Katastrophen“ dabei war, wird dem Intendanten zum Einsatz dieses kreativen Gespanns nur beglückwünschen…
Alles in allem ein hübsches Kabinettstückchen, bei dem zum Schluss die Primadonna doch noch singen darf und zwar nichts Geringeres als Händels „Alcina“. Richtig: denn wer eine Anke Berndt überhaupt icht singen läßt, der gehört aus dem Opernhaus verbannt.
Wochenspiegel 10. November 2004 |
- Die Primadonna ist eine strenge Person: Argusäugig wacht sie über die Unschuld des Kapellmeisters am Cembalo, eifersüchtig verteidigt sie ihren Vorrang im Ensemble und stutenbissig tyrannisiert sie jüngere Kolleginnen. Nur mit dem Singen hat sie heute so ihre Probleme. Denn die Rolle der Thetis, die ihr gewiss wie auf den Leib geschrieben wäre, ist leider verschollen weshalb die Sopranistin zur Opernlehrerin wird.
Dies alles hat Charme, weil es sich zur Improvisation bekennt. Selbst wenn man Einfälle wie das Fehlen der Musiker oder die Verspätung der Sänger aus anderen Inszenierungen kennt, die sich noch immer im Spielplan des Opernhauses befinden, verzeiht man diese Laxheit in Fragen geistigen Eigentums zumal man den Akteuren ihr eigenes Vergnügen an den Stücken von Philpp Stolle und dessen Kollegen Samuel Scheidt, David Pohle und Johann Philipp Krieger abnimmt.
Zudem wird es zu später Stunde leicht lasziv, was nicht allein an Frau Berndts Vorliebe für Blechbläser liegt. Selbst als Demoiselle Stadel im Moment höchster Verzückung ihren Büstenhalter nach dem Bariton wirft, ist sie um eine Frivolität nicht verlegen: „Da werden sie künftig ein bisschen mehr stützen müssen - und zwar selbst.” Dass ihre eigene Stimme gut gestützt ist, beweist sie am Ende als Händels „Alcina”, was sonst.
Mitteldeutsche Zeitung 08. November 2004
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