Kritiken
„Greife wacker nach der Sünde”
Seriös-frivoles Cabaret mit Texten von Platon über Kästner bis Hacks und Musik von Mozart über Hollaender bis Micha Fuchs
Theaterkahn Dresden Premiere am 10. November 2005
Oper Halle Premiere am 28. Dezember 2008, Wiederaufnahme am 03. Dezember 2009
Rheingau Musik Festival am 03. und 04. August 2010

27 Programm-Nummern … da muss immer was los sein. Da müssen vom schieren Endlos-Band der quirligen Beiträge – von Mozart bis Kästner, von Friedrich Hollaender bis Max Frisch, von Lehár bis Wedekind, von Rossini bis Brecht – die Akzente sitzen. Laute und leise, forsche und melancholiache, bissige und zärtlich-poetische.
Mit Lachern und Beifall aus dem Parkett werden Novität und Originalität … aufgenommen. In Soli, Wechselgesang und Dialog äußern sich Friedrich-Wilhelm Junge, der singende Schauspieler, und Axel Köhler, der schauspielernde Sänger …
Dresdner Neueste Nachrichten

Junge mimt meist den Abgeklärten, Köhler mehr den Insichgekehrten. Und er singt Mozart, Bizet, Weill. Wenn es fast klassisch wird, kommt ein Bruch. So erhalten die Arien dank unterschiedlicher Arrangements neuen Sinn. Manchmal miauen auch beide ganz nach Rossini.
Köhler ist nicht nur ein hervorragender Sänger, sondern auch ein differenzierter Darsteller. Erstaunlich, von wieviel Enttäuschungen ein einfaches „Ach” am Telefon erzählen kann …
Sächsische Zeitung
Dass der Altist zu den natürlichen Feinden des Tenors zählt, weil er dank seiner Kopfstimme einige Sprossen höher auf der Tonleiter steht, ist nur eines der genüsslich ausgespielten Interna. Dass Köhler dabei ebenso gern und gut den Charme wie die Charge ausspielt, macht ihn zum würdigen Gegner für den musical- und comedy-trainierten Kuhn. Und dass der Herr Kammersänger die Geige streicht, während sein Gegenüber die Taschen-Trompete bläst, mischt dem Terzett-Klang von Klavier, Bass und Drums einige erfreuliche Zusatzfarben bei.
Allein vor der Pause werden knapp 30 Nummern in einer Stunde bewältigt ...wo man bei den Brettl-Dichtern der Weimarer Republik – oder bei den ohnehin bis zur Parodie verkommenen Klassikern der Herren Offenbach und Bizet fündig wird. Richtig gut aber ist es später: In Köhlers Marlene-Hommage „Ich bin von Kopf bis Fuß” oder in Kuhns Elvis-Medley …
Mitteldeutsche Zeitung   30.12.2008


Wiesbadener Tageblatt   05.08.2010